Die Mitarbeiter schließen ihre Laptops, verabschieden sich von Kollegen und machen sich auf den Weg – nicht in eine weitere Besprechung, sondern ins Wochenende. Willkommen beim „Premium Friday“, einer Initiative der japanischen Regierung aus dem Jahr 2017, die zeigen sollte: Wir meinen es ernst mit weniger Überstunden – und wir wollen gleichzeitig den Binnenkonsum beleben.
Was war die Idee?
Der Premium Friday sollte am letzten Freitag jedes Monats ermöglichen, dass Beschäftigte schon am frühen Nachmittag gehen. Die freie Zeit konnten sie mit Familie verbringen, etwas erledigen – oder Geld ausgeben. Politik und Wirtschaft hofften auf einen Doppelnutzen: entlastete Arbeitnehmer und mehr Kauflaune.
Die Realität: gute Idee, zähe Umsetzung
Genau hier zeigten sich aber die japanischen Besonderheiten: Wer einfach geht, signalisiert womöglich mangelnde Loyalität. Viele Angestellte fragten sich: „Sehen meine Kollegen, dass ich früher gehe? Wirkt das so, als würde ich weniger arbeiten?“ Dazu kam: In vielen Firmen war schlicht zu viel zu tun, um regelmäßig um 15 Uhr den Stift fallen zu lassen. Entsprechend haben nur vergleichsweise wenige Unternehmen den Premium Friday wirklich konsequent eingeführt.
Einige Branchen – Gastronomie, Reisen, Handel – haben das aufgegriffen und spezielle Angebote gemacht. Und vereinzelt berichten Firmen, dass der gemeinsame frühe Feierabend den Teamgeist gestärkt hat. Aber: Ein flächendeckender Kulturwandel ist daraus nicht geworden.
Wo steht Japan heute?
Die offizielle Kampagne ist inzwischen deutlich leiser geworden, viele Unternehmen nennen „Premium Friday“ gar nicht mehr beim Namen. Geblieben ist aber die Debatte, die er ausgelöst hat: Wie bringen wir lange Arbeitszeiten, Loyalität gegenüber dem Unternehmen und mehr Lebensqualität zusammen? Und: Wie schaffen wir es, dass früher gehen nicht als Schwäche, sondern als professionelles Selbstmanagement gilt?
Was können wir daraus mitnehmen?
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Arbeitskultur ändert man nicht mit einem Kalendereintrag.
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Wenn Präsenz ein Statussignal ist, braucht es mehr als „Ihr dürft früher gehen“ – es braucht Vorbilder, die es auch tun.
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Kleine, symbolische Maßnahmen können trotzdem wichtig sein, weil sie das Thema auf die Agenda heben.
Ihr „Premium Moment“?
Welche Initiativen fördern in Ihrem Unternehmen die Balance zwischen Arbeit und Freizeit – auch wenn sie nur klein sind? Vielleicht ist es ein Meeting-freier Freitag, vielleicht ein kürzerer letzter Arbeitstag im Monat?