Open the menu
Buchempfehlungen

"Ich fahr Pakete aus in Peking" von Hu Anyan

Es gibt Bücher, die einem beim Lesen die eigenen Selbstverständlichkeiten aus der Hand nehmen und sie erst einmal auf den Boden der Realität fallen lassen. Dieses gehört dazu.

Hu Anyan erzählt in „Ich fahr Pakete aus in Peking“ von seinem Leben in Chinas Niedriglohnwelt: von wechselnden Jobs, von Schichten, die den Körper auffressen, und von einem Alltag, der in vielen Statistiken vorkommt, aber selten in der Literatur.

In Deutschland ist das Memoir bei Suhrkamp Nova erschienen, aus dem Chinesischen übersetzt von Monika Li.

 

Was das Buch so stark macht: Es setzt nicht auf Elends-Exotik, sondern auf präzise Beobachtung. Die Stadt wird zur Rechenaufgabe, Zeit zur Währung, Würde zur Frage von Minuten und Metern und plötzlich schaut man anders auf die nächste Zustellung, die nächste „Lieferung in 10 Minuten“.

 

Nebenbei erzählt das Buch auch eine Mediengeschichte der Gegenwart: Hu begann früh, seine Erfahrungen online festzuhalten; ein Text über die Arbeit als Kurier wurde während der Covid-Lockdowns viel gelesen und zum Ausgangspunkt dieses Buches.

Für wen? Für alle, die wissen wollen, worauf „bequemer Konsum“ im Alltag oft aufbaut und die ein Wochenende lang bereit sind, sich beim Lesen ein bisschen unbehaglich klüger zu fühlen. (Die taz bringt es auf den Punkt: ein Blick auf die „namenlose Masse“ der Niedriglohnbeschäftigten.)

Wenn Sie nur einen Satz als Leseanlass brauchen: Dieses Buch macht sichtbar, was in der Regel unsichtbar arbeiten soll.

Ich wünsche Ihnen interessante Lesestunden:

https://bit.ly/3OLYZxR